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<title>Biwak</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Biwak</span></h1>
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<p><b>Biwak</b> (von <a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">französisch</a> <i>bivouac</i> ‚Feldlager‘, ‚Nachtlager‘, aus deutsch <i>Beiwache</i>) bezeichnet ein <a href="Lager_(Camp)" title="Lager (Camp)">Lager</a> im Freien, aber auch in <a href="Zelt" title="Zelt">Zelten</a> oder <a href="H%C3%BCtte" title="Hütte">Hütten</a>, vor allem für <a href="Soldat" title="Soldat">Soldaten</a> oder <a href="Bergsteigen" title="Bergsteigen">Bergsteiger</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Biwak_als_Feldlager">Biwak als Feldlager</h2></div>


<p>Ursprünglich gab es in befestigten Städten und <a href="Festung" title="Festung">Festungen</a> eine innerhalb der Mauern befindliche Hauptwache und eine auf dem <a href="Glacis_(Festungsbau)" title="Glacis (Festungsbau)">Glacis</a>, also der freien, schussfeldgewährenden Fläche vor der Mauer, befindliche <i>Bei</i>wache. Als Gebäude für die Hauptwache sind heute u.&nbsp;a. noch die <a href="Neue_Wache" title="Neue Wache">Neue Wache</a> in Berlin, die <a href="Hauptwache_(Frankfurt_am_Main)" title="Hauptwache (Frankfurt am Main)">Frankfurter Hauptwache</a> und die Dresdner <a href="Altst%C3%A4dtische_Hauptwache" title="Altstädtische Hauptwache">Schinkelwache</a> erhalten. Die Beiwache hatte dabei die Aufgabe, schon frühzeitig einen nachts anrückenden Feind auszumachen und Alarm zu geben oder verspätete Ankömmlinge abzufertigen. Da es auf dem Glacis keine Gebäude gab, musste die Beiwache in Zelten kampieren. Über das Niederländische wurde der Begriff der <i>Beiwache</i>/<i>Biwake</i> nach Frankreich entlehnt, wo er als <i>Bivoque</i>, <i>Bivouac</i> oder ähnliches recht bald zur Bezeichnung eines jeden Kampierens von Soldaten im freien Feld diente. Diese Ausdehnung des Begriffes mag wohl auch daher rühren, dass die Franzosen relativ früh die Befestigungen der innerfranzösischen Städte <a href="Schleifung" title="Schleifung">schleiften</a> und damit ein regulärer Festungsbetrieb im französischen Innenland nicht mehr anzutreffen war. Zur Biwakausrüstung gehörten schon im <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkrieg</a> die Zeltbahn, eine Wolldecke, später der <a href="Schlafsack" title="Schlafsack">Schlafsack</a>, teilweise ab den 1940er Jahren ein <a href="Biwaksack" title="Biwaksack">Biwaksack</a> sowie Ess- und Kochgeschirr mit <a href="Esbit" title="Esbit">Esbit</a>-Kocher.
</p><p>Das Wort <i>Biwak</i> im weiteren Sinne wurde ins Deutsche rückentlehnt, oft ohne zu wissen, dass es sich eigentlich um ein <a href="Verballhornung" title="Verballhornung">verballhorntes</a> deutsches Wort handelt. Als solches im weiteren Sinne wird das Wort heute noch gebraucht, konnte also seinen eigentlichen, mit der <a href="Schleifung" title="Schleifung">Schleifung</a> der meisten Befestigungen im 19. Jahrhundert untergegangenen, historischen Zusammenhang überleben. Die inzwischen gebräuchliche Ausdehnung, auch auf Nichtsoldaten, mag auf der weiten Streuung des Wortes beruhen, die durch die allgemeine <a href="Wehrpflicht" title="Wehrpflicht">Wehrpflicht</a> und somit der Berührung weiter Kreise der männlichen Bevölkerung mit dem soldatischen „Biwak“ bewirkt wurde.
</p><p>Bei der <a href="Bundeswehr" title="Bundeswehr">Bundeswehr</a> wird unter Biwak der Aufbau und Betrieb eines Zeltlagers im Freien verstanden, der oft mit einer <a href="Leben_im_Felde" title="Leben im Felde">Geländeausbildung</a> verbunden ist – ähnlich in anderen Armeen. Im <a href="Einzelk%C3%A4mpferlehrgang" title="Einzelkämpferlehrgang">Einzelkämpferlehrgang</a>, in der Truppenausbildung zum <a href="Jagdkampf" title="Jagdkampf">Jagdkampf</a> und im Einsatz hinter feindlichen Linien dient das <a href="Versteck" title="Versteck">Versteck</a> als getarntes Biwak abseits von Bewegungslinien des Feindes.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Alpinismus">Alpinismus</h2></div>


<p>Im alpinistischen Sinne steht der Begriff des Biwaks entweder für eine behelfsmäßige oder spartanisch ausgestattete, durchaus auch überdachte Unterkunft im Hochgebirge (also für den Schlafplatz an sich, siehe nebenstehendes Bild und den Artikel <a href="Biwakschachtel" title="Biwakschachtel">Biwakschachtel</a>) oder für die Handlung des Übernachtens unter freiem Himmel. Freiwillige Biwaks im Gebirge werden um eines besonders intensiven Naturerlebnisses willen durchgeführt, unfreiwillige oft aufgrund eines alpinistischen Notfalls oder der misslichen Lage, dass man vom Einbruch der Nacht oder einem Wetterumschwung überrascht und aufgrund der Schwierigkeit des Geländes oder seiner Erschöpfung zu einem spontanen Biwak gezwungen wird <i>(Notbiwak).</i>
</p><p>Ungeplante Notbiwaks geschehen meist nur mit einem wind- und wasserdichten <a href="Biwaksack" title="Biwaksack">Biwaksack</a> als einzigem Komfort. Für geplante Biwaks führen Bergsteiger jedoch normalerweise noch einige andere Dinge mit, die die Nacht im Freien erträglicher gestalten, wie z.&nbsp;B. <a href="Isomatte" title="Isomatte">Isomatte</a>, Schlafsack und Kocher. Ein Sonderfall der geplanten Biwaks ist das Gipfelbiwak, bei dem die Nacht unmittelbar auf oder knapp unterhalb des höchsten Punktes eines Berges verbracht wird. Die Intensität und Fülle der Naturerlebnisse (Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, evtl. Mondaufgang und -untergang, Sternenhimmel, Sternschnuppen, Lichtermeere der Dörfer und Städte im Tal), aber auch der Grad der Ausgesetztheit sind bei dieser Form des Biwakierens besonders hoch.
</p><p>Umfangreichere <a href="Spel%C3%A4ologie" title="Speläologie">Höhlenexpeditionen</a> über mehrere Tage machen das Übernachten im Berg erforderlich. Üblicherweise erfolgen diese Biwaks an besonders geeigneten Stellen, die mehr oder weniger eben sind, Schutz vor dem <a href="H%C3%B6hlenwind" title="Höhlenwind">Höhlenwind</a> bieten und die in der Nähe von Wasserstellen liegen. Die Teilnahme an einem solchen Biwak erfordert einen hohen Materialaufwand, aber auch an den Menschen werden sowohl <a href="Physiologie" title="Physiologie">physisch</a> wie auch <a href="Psychologie" title="Psychologie">psychisch</a> hohe Anforderungen gestellt.
</p><p>Das höchste je durchgeführte Biwak war ein Notbiwak am Südgipfel des <a href="Mount_Everest" title="Mount Everest">Mount Everest</a>, zu dem <a href="Doug_Scott" title="Doug Scott">Doug Scott</a> und <a href="Dougal_Haston" title="Dougal Haston">Dougal Haston</a> 1975 gezwungen waren. Sie hatten zuvor erstmals die Westwand des Berges durchstiegen und konnten nicht mehr schnell genug über die Südroute absteigen, als die Nacht sie überraschte. Trotz extremer Kälte und schwerer <a href="Halluzination" title="Halluzination">Halluzinationen</a> konnten die beiden Bergsteiger, die sich notdürftig in den Schnee eingegraben hatten, am nächsten Morgen ihren Abstieg fortsetzen und erreichten unverletzt das Tal.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Biwakplatz">Biwakplatz</h3></div>
<p>In <a href="Polen" title="Polen">Polen</a> und in <a href="Skandinavien" title="Skandinavien">Skandinavien</a> wird ein sehr einfach gehaltener <a href="Campingplatz" title="Campingplatz">Zeltplatz</a> als Biwakplatz bezeichnet (<a href="Polnische_Sprache" title="Polnische Sprache">poln.</a>: <i>pole biwakowe</i>). Dies sind zum Teil nur ausgewiesene Flächen, auf denen Zelten erlaubt ist, zum Teil private oder von Gemeinden betriebene kleine Zeltplätze mit einfachster Ausstattung (Trockentoilette, Frischwasseranschluss). Solche Biwakplätze sind oft an <a href="Kanuwandern" title="Kanuwandern">Wasserwanderrouten</a> oder Wanderstrecken gelegen. Sie sind immer sehr billig, manchmal sind sie auch nur mit einer <a href="Kasse_des_Vertrauens" title="Kasse des Vertrauens">Kasse des Vertrauens</a> ausgestattet, in die man einen kleinen <a href="Obolus" title="Obolus">Obolus</a> einwirft. In Skandinavien gibt es auf den Biwakplätzen oft kleine, nach einer Seite offene <a href="Schutzh%C3%BCtte" title="Schutzhütte">Wetterschutzhütten</a> <i>(Windskyet),</i> in denen übernachtet werden kann. Ebenso sind die vorgeschriebenen Biwakplätze der Nationalparks in den USA mit nach einer Seite offenen Schutzhütten ausgestattet. Durch ein Reservierungssystem verhindert der Parkservice, dass einerseits zu viele Wanderer unterwegs sind und die Natur belasten, andererseits ermöglicht es den Touristen ohne aufwendige Biwakausrüstung zu trekken.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Boofen">Boofen</h3></div>

<p>In der <a href="S%C3%A4chsische_Schweiz" title="Sächsische Schweiz">Sächsischen Schweiz</a> (<a href="Elbsandsteingebirge" title="Elbsandsteingebirge">Elbsandsteingebirge</a>) bezeichnen die Bergsteiger das Übernachten in der freien Natur als <i>Boofen</i>. Diese Freiübernachtungsstelle besteht meist aus einem Überhang am Sandsteinfels (<a href="Abri" title="Abri">Abri</a>) oder einer Felshöhle, der sogenannten <i>Boofe</i>. Diese sind oftmals schon mit einer Schlaf- und Feuerstelle ausgebaut.
</p><p>Im <a href="Nationalpark_S%C3%A4chsische_Schweiz" title="Nationalpark Sächsische Schweiz">Nationalpark Sächsische Schweiz</a> ist das Boofen nur an gekennzeichneten Stellen und nur in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Klettersport erlaubt, wobei jegliche Art von Feuer grundsätzlich verboten ist.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Von Februar bis Juni ist das Übernachten im Freien wegen der <a href="Brut-_und_Setzzeit" title="Brut- und Setzzeit">Brut- und Setzzeit</a> verboten.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Das umgangssprachliche <a href="Th%C3%BCringisch-obers%C3%A4chsische_Dialektgruppe" title="Thüringisch-obersächsische Dialektgruppe">sächsische</a> Wort <i>boofen</i> wurde von <i>pofen</i> (= tief und fest schlafen) abgeleitet. Der Sinn des Boofens besteht zum einen darin, ein günstiges Quartier zum erholsamen Schlaf vor oder nach getaner Bergbesteigung (Bergfahrt) zu besitzen, zum anderen im Erleben und Genießen der Natur.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Biwak_im_Karneval">Biwak im Karneval</h2></div>
<p>Besonders im <a href="Rheinischer_Karneval" title="Rheinischer Karneval">Rheinischen Karneval</a> wird mit „Biwak“ ein karnevalistisches Treffen unter freiem Himmel bezeichnet, das meistens von einer <a href="Karnevalsgesellschaft" class="mw-redirect" title="Karnevalsgesellschaft">Karnevalsgesellschaft</a> ausgerichtet wird. Bekannt ist beispielsweise der „Funkenbiwak“ der <a href="Rote_Funken" title="Rote Funken">Roten Funken</a>, der am Kölner <a href="Neumarkt_(K%C3%B6ln)" title="Neumarkt (Köln)">Neumarkt</a> bei freiem Eintritt stattfindet.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Heerlager" title="Heerlager">Heerlager</a></li>
<li><a href="Versteck" title="Versteck">Versteck</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bivouac_shelters?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Biwak</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Biwak" class="extiw external" title="wikt:Biwak">Wiktionary: Biwak</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external free" href="http://www.kv-fernblick.de/boofen/">http://www.kv-fernblick.de/boofen/</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external free" href="https://www.saechsische-schweiz.info/elbsandsteingebirge/boofen.html">https://www.saechsische-schweiz.info/elbsandsteingebirge/boofen.html</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/wp-content/uploads/2014/02/Bergsportkonzeption-Boofen-Bekanntmachung.pdf">Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft über den Pflege- und Entwicklungsplan für den Nationalpark Sächsische Schweiz/Teil Bergsportkonzeption, Abschnitt Freiübernachtung, Az.: 63-8842.28, vom 12. August 2002</a> (abgerufen am 6. November 2011; PDF; 19&nbsp;kB).</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://nationalpark-saechsische-schweiz.de/freiuebernachten-boofen"><i>Freiübernachten &amp; Boofen.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 26.&nbsp;Oktober 2025</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ABiwak&amp;rft.title=Frei%C3%BCbernachten+%26+Boofen&amp;rft.description=Frei%C3%BCbernachten+%26+Boofen&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fnationalpark-saechsische-schweiz.de%2Ffreiuebernachten-boofen&amp;rft.language=de">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://koelner-karneval.org/karnevalzuege-koeln/funkenbiwak"><i>Info über den Funkenbiwak.</i></a> In: <i>koelner-karneval.org.</i><span class="Abrufdatum" style="display:none"> Abgerufen im 1.&nbsp;Januar 1</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ABiwak&amp;rft.title=Info+%C3%BCber+den+Funkenbiwak&amp;rft.description=Info+%C3%BCber+den+Funkenbiwak&amp;rft.identifier=&amp;rft.date=&amp;rft.language=de">&nbsp;</span></span>
</li>
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